Der Hobbit-Film: Was lange währt, wird endlich groß

Beinahe zehn Jahre mussten Fans von Der Herr der Ringe auf die Verfilmung des Vorgängers „Der Hobbit“ warten. Die Ankündigung, dass es nicht nur einen Film zu „Der Hobbit“ geben würde sondern gleich drei, wurde mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Viele Fans fürchteten, dass die Geschichte damit unnötig in die Länge gezogen werden und ihren Charme verlieren würde.

Letztendlich war der Grundgedanke aber den Zuschauern das gleiche Erlebnis zu liefern wie bei Der Herr der Ringe. Nach der langen Wartezeit sollte die Geschichte nicht an einem Kinoabend vorbei sein, sondern die Figuren, Beziehungen und Handlungsstränge ausbauen, teilweise mit eigenen Ideen, teilweise mit Storylines, die zu dieser Zeit in anderen Tolkien Büchern oder im Hintergrund passierten.

Aus einem Buch wird eine Trilogie

So wurde aus dem einen Buch in der Verfilmung eine Trilogie: „Eine unerwartete Reise“ nimmt sich viel Zeit für die Einführung, Hintergrundgeschichte und der Vorstellung der Figuren. Die Gemeinschaft von Der Herr der Ringe hat neun Mitglieder, die des Hobbits immerhin 14. In einem einzigen Film wären die meisten Figuren wohl untergangen. „Smaugs Einöde“ beschäftigt sich mit den Hauptgeschehen der Geschichte und bringt mehr Action mit sich, während „Die Schlacht der fünf Heere“ das dicke Finale bildet.

Peter Jackson brachte mit „Eine unerwartete Reise“ den allerersten Film im HFR-3D-Format in die Kinos. HFR steht für High Frame Rate, auch 48fps – 48 Frames per second genannt. Das heißt, dass 48 Bilder pro Sekunde gezeigt werden anstatt der klassischen 60. Das Ergebnis ist eine sehr hohe Auflösung, mit der die Szenen beinahe vollkommen echt anstatt mit der Kamera gedreht wirken.

Zu Beginn wird von dem Geschehen erzählt, dass zur eigentlichen Geschichte führt: Das Zwergenkönigreich Erebor, dass sich direkt in einem Berg befindet, wurde von dem riesigen Feuerdrachen Smaug angegriffen, der sich von dem gewaltigen Goldschatz dort angezogen fühlte. Das einst stolze Zwergevolk streift seitdem heimatlos durch die Welt von Mittelerde.

Rund 170 Jahre später beschließt Thorin, Enkel von Thror, der damalige Herrscher von Erebor, dass es nun an der Zeit ist die Heimat zurückzuerobern. Leider finden sich für dieses Vorhaben gerade mal 12 weitere Zwerge, die ihm dafür aber taper und loyal bis zum Ende beistehen wollen. Zauberer Gandalf will dem Trüppchen helfen und rekrutiert Bilbo Beutlin, einen Hobbit. Film und Buch unterscheiden sich von der Grundidee also nicht.

Eigentlich wollte Bilbao erst gar nicht

Eigentlich hält Bilbo gar nichts von dieser Idee, doch nachdem Gandalf ihn daran erinnert, dass er in seiner Jugend immer gerne die Welt erkunden wollte. Und letztendlich ist es vielleicht gerade die gutmütigen Zweifel, die der Rest der Mannschaft gegen den kleinen Hobbit hegt, der Grund dafür, dass er sich auf das Abenteuer einlässt.

Der Weg zum Berg ist beschwerlich und lang und an jeder Ecke lauern Gefahren, aber auch neue Freunde und gute Erfahrungen. Endlich lernt Bilbo die unsterblichen Elben kennen, noch dazu die hohen Häupter Elrond und Thranduil, König des Düsterwaldes. Nur Thorin wird mit Bilbo nicht ganz warm.

Bilbo wünscht sich mehr als einmal in sein Zuhause zurück und kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass er nur ein Klotz an Thorins Bein ist. Doch hin und wieder kommen Momente auf, in denen Bilbo ganz auf sich alleine gestellt ist oder das Wohl der Gruppe plötzlich von ihm abhängt. Er ist selbst ganz verblüfft über seinen Mut und die Ideen, die er im Notfall aufbringen kann.

Die schlimmste Aufgabe steht ihm aber noch bevor: Er soll sich ganz alleine in den Berg schleichen, in dem höchstwahrscheinlich noch immer Smaug auf dem Gold ruht, und den Arkenstein, der als Königsjuwel gilt, stehlen.

Tiefe Bande werden geknüpft

Schon im Buch kommt Thorin hin und wieder etwas verschlossen und dickköpfig rüber. Der Hobbit-Film vertieft die schwierige Beziehung zwischen dem Zwergenprinzen und Bilbo. Thorin zeigt viel öfters, dass er Bilbo für eine solche Reise für ungeeignet hält. Letztendlich glaubt damit auch Bilbo, dass es eine schlechte Idee war mitzukommen – bis er Thorin das Gegenteil beweist.

In den Aufbau dieser Freundschaft wird viel Zeit und Mühe investiert. Andere Zwerge der Truppe, die im Buch höchstens ein paar Sätze sprechen dürfen, werden ebenfalls ins Rampenlicht gerückt. So wird Bofur zum immer gut gelaunten Kameraden, Balin die Stimme der Vernunft und Dwalin der rücksichtslose Klotz.

Eine der größten Änderungen im Verlauf der Geschichte ist der weiße Ork Azog, der mit seiner Meute Jagd auf die Gruppe macht. Im Buch wurde Azog schon vor dem Beginn des Buchs zur Streckte gebracht. In den Filmen des Hobbits spielt er neben Drache Smaug nun den großen Widersacher. Zwar tauchen bis zum Berg immer wieder neue Gegner auf, doch den „einen“ bösen Gegenspieler, der über alle Filme hinweg eine Bedrohung darstellt, gibt es im Buch nicht.

Einen bösen Verfolger ins Spiel zu bringen fanden die Zuschauer in Ordnung, weniger begeistert war man allerdings von der Tatsache, dass Azog und einige andere Orks mit CGI-Animation erschaffen wurden. In Der Herr der Ringe wurden hierfür Masken und Kostüme verwendet, was die Charaktere realistischer wirken ließ.

Alte Freunde und neue Feinde für den Hobbit im Film

Im Hobbit steht sozusagen die Generation vor Der Herr der Ringe im Vordergrund: Zwerg Glóin ist der Vater von Gimli, Elbenkönig Thranduil der von Legolas, zwei Charaktere, die in Der Herr der Ringe zu den Hauptfiguren zählen. Auf Gimli gibt es eine kurze Anspielung, Legolas dagegen ist im Teil der Story.  Radagast tritt in Tolkiens Büchern im Hintergrund auf und darf sich im Hobbit-Film nun ebenfalls vor der Kamera zeigen.

Auch Bard, ein Mann aus der Seestadt, der eigentlich erst im letzten Teil der des Buches vorgestellt wird, stellt sich schon früher vor. Seine Rolle wurde großzügig ausgebaut und macht ihn zu einem der Helden.

Komplett neu erfunden wurde Elbin Tauriel, die Anführerin von Thranduils Wache. Tatsächlich gibt es im Buch keinerlei weibliche Figuren. Mit Tauriel sollte der Geschichte etwas Frauenpower verliehen werden.

Dass die Rollen bestehender Charaktere ergänzt und erweitert wurden, kam beim Publikum gut an. Weniger begeistert war man von dem Liebesdreieck, das zwischen Tauriel, Legolas und Kili erschaffen wurde.

Die Idee von mehreren Hobbit Filmen als Trilogie mit erweitertem Inhalt wurde also nicht ganz ohne Kritik aufgenommen angesichts der vielen Veränderungen. Letztendlich wurden aber alle drei  Hobbit Filme zum durchschlagenden Erfolg.